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Tierärztlicher Notdienst: Große Herausforderung von arbeitsrechtlichen Ruhezeiten und korrekter Bezahlung

Für Tierbesitzer ist es bundesweit zur Herausforderung geworden, einen tierärztlichen Notdienst schnell und unkompliziert zu erreichen, wenn es dem Schützling einmal zu ungewöhnlichen Zeiten schlecht geht. Denn Dienste am Wochenende und zu Nachtzeiten werden immer seltener von Ärzten und Tierarzthelfern besetzt. Das liegt zum einen am Fachkräftemangel, zum anderen an gesetzlichen Vorschriften, die arbeitsrechtliche Ruhezeiten regeln.


Der tierärztliche Notdienst wird in einem Landkreis oft durch teilnehmende Tierarztpraxen sowie Tierkliniken organisiert. Im Rotationsprinzip übernimmt jede Praxis bzw. Klinik einige der Nacht- und Wochenendschichten. Das setzt jedoch voraus, dass zum einen genug Personal vorhanden ist, welches nicht durch Schichten unter der Woche ausgelastet ist. Und zum anderen, dass für das Personal die entsprechende Bezahlung gewährleistet werden kann.


Beides bringt Praxen und Kliniken an ihre monetären und personalen Grenzen, sodass sich immer mehr Anbieter aus dem Tiernotdienst zurückziehen. Denn ein Notdienst kostet viel Geld, ist wegen der arbeitsrechtlich vorgeschriebenen Ruhezeiten für Tierärzte schwierig umzusetzen, und verlangt ein enormes Ausmaß an Organisation.


Katze

Ist der Notdienst Pflicht für alle Tierärzte?

Grundsätzlich ja. In fünfzehn von siebzehn Bundesländern schreiben die Landestierkammern bzw. das Heilberufsgesetz der Bundesländer vor, dass ein tierärztlicher Notdienst an Wochenenden, Feiertagen, und nachts sicherzustellen ist. Der Notdienst soll eine kompetente, ortsnahe Erstversorgung in Notfällen gewährleisten, sodass Tierbesitzer schnelle Hilfe erhalten.


Um diese Erstversorgung zu gewährleisten, organisieren tierärztliche Kreisstellen bzw. Tierarzt-Praxen eines Landkreises einen Notdienstring. Jeder Teilnehmer übernimmt dann abwechselnd den Dienst.


Das Problem ist: Wenn immer mehr Praxen aus dem tierärztlichen Notdienstring aussteigen, müssen verbleibende Praxen extra Schichten übernehmen. Das gerät wiederum in Konflikt mit den arbeitsrechtlich vorgeschriebenen Ruhezeiten für Tierärzte. Oder es fehlen schlichtweg die finanziellen Mittel, um diese Sonderschichten angemessen zu entlohnen.


Sind Tierkliniken zugleich Notdienst?

Ja und nein. Tierkliniken müssen vom Gesetzgeber 24/7 dienstbereit sein. Das garantiert zum einen die Auslastung der Klinik, durch die Übernahme von Notfällen am Wochenende oder nachts.

Zum anderen verweisen Tierarztpraxen, die einen Notdienst nicht stellen können, oft auf die nächste Tierklinik als Notfallstation, was wiederum zu einer Überforderung des Personals führen kann. Hier beißt sich die Katze sprichwörtlich in den Schwanz.

Den Notfalldienst einzig und allein den Tierkliniken zu überlassen, funktioniert also nicht. Als Resultat haben bereits viele Tierkliniken ihre Klinikzulassung zurückgegeben, da immer weniger Fachkräfte bereit sind am Wochenende oder nachts zu arbeiten.

Was kostet ein solider tierärztlicher Notdienst?

In einer Tierklinik kostet er um die 60.000 € / Monat. Peter Ripper vom bpt (Bundesverband praktizierender Tierärzte e.V.) erklärt, warum. Um alle Wochenenden und Nachtschichten abzudecken, muss eine Tierklinik mindestens vier Teams mit je einem Tierarzt und tierärztlichen Fachkräften aufstellen. Diese werden entsprechend geltender tariflicher Regelung mit Sonderzuschlägen für Nacht- und Wochenendschichten bezahlt.

Das größte Problem hierbei ist jedoch nicht die Bezahlung, sondern entsprechendes Personal abrufen zu können. Denn anders als in der Allgemeinmedizin dürfen Tierärzte vorgegebene Arbeitszeiten nicht überschreiten und müssen mindestens elf Stunden Ruhephasen zwischen ihren Schichten einhalten.

Es mangelt also an Personal. Denn Extra-Schichten bedürfen extra Personal, fachlich ausgebildet und verfügbar. Solche Teams aufzustellen, ist oft schwierig. Denn selbst wenn Fachkräfte vor Ort sind, werden es immer weniger, die Notdienstpläne nachts und am Wochenende übernehmen.

Warum gibt es immer weniger tierärztliche Fachkräfte im Notdienst?

Der Grund: Selbstausbeutung und unzumutbare Arbeitszeiten. Bislang hat sich im tierärztlichen Notdienst kaum einer um gesetzeskonforme Arbeitszeiten und eine entsprechende Bezahlung gekümmert. Immer weniger Mitarbeiter sind jedoch bereit, sich auf solche Verpflichtungen einzulassen.

Immer mehr tierärztlich ausgebildete Fachkräfte pochen auf ihr Recht nach angemessenen Arbeitszeiten und einer fairen Bezahlung. Arbeitszeiten mit über 50 Wochenstunden, wie in einigen Tierarztpraxen der Fall, werden nicht mehr akzeptiert.

Hinzu kommen regelmäßige Überprüfungen vom Gewerbeaufsichtsamt, welches die Arbeitszeiten überwacht. Werden diese grob überschritten, drohen Bußgelder von bis zu 15.000 €.

Nichtsdestotrotz fällt es der Branche schwer, selbst bei geregelten Arbeitszeiten und einer angemessenen Bezahlung entsprechende Fachkräfte zu finden – und somit auch den tierärztlichen Notdienst zu gewährleisten.


Wer übernimmt den Notdienst?

Ist der Fachkräftemangel zu groß, bleiben nur die Tierärzte selbst, um den Notdienst zu übernehmen. Denn als Selbständige in eigener Praxis sind sie von arbeitsrechtlich vorgeschriebenen Ruhezeiten ausgenommen.

Aber auch Tierärzte achten immer mehr auf klare Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben. Und somit auf eine ausgewogene Balance zwischen Ruhezeiten und Arbeitszeit.

Hinzu kommt, dass nach endlos langen Schichten schnell Fehler passieren. Handelt ein Tierarzt grob fahrlässig, drohen Strafen. Ein Grund mehr, warum der tierärztliche Notdienst in der Krise steckt.

Unterschiedliche Tierarten, unterschiedliche Notdienste

Ein weiteres Problem in Bezug auf den Fachkräftemangel allgemein, und besonders im Notdienst, ist die Spezialisierung auf bestimmte Tierarten. Mittlerweile gibt es Neurologen, Dermatologen, Spezialisten für Exoten, und vieles mehr.

D.h. auch hier muss der Notdienst entsprechend der Spezialisierung aufgeteilt und getrennt werden. Denn nicht jeder Tierarzt kann allen Tieren bei einem Notfall helfen. Dafür braucht es spezielle Ausrüstung und fachliches Know-How.

Soll ein vertrauenswürdiger tierärztlicher Notdienst gewährleistet werden, müssen Tierarten zumindest in Kleintiere, Pferde und Nutztiere aufgeteilt werden.


Bulldog

Wie funktioniert der tierärztliche Notdienstring?

Für Tierarzt-Praxen in kleineren Ortschaften ist der Notdienstring oft die beste Lösung. Gesetz dem Fall, dass alle Praxen sich daran beteiligen. Oft treten aber auch hier Schwierigkeiten auf.

Gerade in kleinen Ortschaften gönnt manch ein Tierarzt dem Kollegen die potenziellen neuen Patienten nicht. Denn wurde der nächtliche Notdienst zufriedenstellend durchgeführt, kann es sein, dass der Tierbesitzer samt Tier einfach wechselt.

Oft versuchen Praxen deshalb so viel wie möglich selbst abzudecken, was wiederum die Work-Life-Balance, oder die gesetzlich vorgeschriebenen Arbeitszeiten der Mitarbeiter gefährdet.


Die Lösung: Spezielle tierärztliche Notdienstkliniken durch Umlage

Um Tierärzten mehr Zeit für das Wesentliche einzuräumen, der professionellen Betreuung vierbeiniger Patienten unter der Woche, gibt es jetzt eine einzigartige Lösung. Angelehnt an bereits funktionierende Beispiele aus Großbritannien, gibt es auch in Deutschland spezielle Notdienstkliniken - als Dienstleister.

Diese sind ausschließlich für den Notdienst am Wochenende und nachts zuständig und können durch eine Gebühr dazu beauftragt werden, den Notdienst einer Tierarztpraxis zu übernehmen. Praktizieren tun sie von den bereits bestehenden Praxen oder Kliniken in der Region aus. Und – sie bringen ihr eigenes Personal mit.

Nehmen genügend Tierarztpraxen an der Notdienstumlage teil, kann solch ein Dienstleiter sein Angebot finanzieren und seinen Mitarbeitern entsprechende Notdienstzuschläge zahlen. In kleinen Ortschaften mit weniger Tierarztpraxen und -kliniken, müssen Tierbesitzer jedoch weiterhin längere Wege auf sich nehmen.


Neu: Eine Notdienst-Zentrale für alle Tierarztpraxen

Eine weitere Lösung bietet Tino 24/7. Die Software funktioniert als zentrale Anlaufstelle für Tierärzte und Tierbesitzer, um im Notfall schnell und unkompliziert mit der passenden Notdienst-Praxis verbunden zu werden.

Ruft ein Tierbesitzer die Nummer der Zentrale an, wird er an den nächsten freien tierärztlichen Notdienst in der Region weitergeleitet. Tierärzte wiederum können über die Software einfach und schnell ihre Notdienst-Verfügbarkeit der nächsten drei Monate eintragen und die anderer Praxen einsehen.

Das spart Zeit und Koordinationsaufwand, und ist für Tierbesitzer sowie Tierärzte eine enorme Erleichterung.




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Bulldogge: Karsten Winegeard (karsten116): https://unsplash.com/de/fotos/loJL4ijUobg Katze: Werzk Luuuu (berzk): https://unsplash.com/de/fotos/tDlo2ZPlQlU













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